KAPITEL7 | Lack Zistrose

  • 05.05.2022
  • ELFENGESCHICHTE

Ich befand mich immer noch in der Gesellschaft von Jack und verbrachte mehrere Monate in seinem kleinen Appartement, in den krankheitsverseuchten Straßen Londons. Wir schlenderten häufig durch die engen Gassen und legten den Fokus unseres Gesprächsstoffs auf die Erkenntnisse meiner Reisen. Ich verschwieg ihm natürlich, dass ich in den Augen meines Geburtstagsortes eine verteufelte Abscheulichkeit war und viele Jahrhunderte unsere Leben trennten, denn er war mir ein willkommener Gesprächspartner geworden. Er hing an meinen Lippen und lauschte jedem meiner Sätze mit großer Aufmerksamkeit. Er machte sich oft Notizen in ein kleines Buch, das er mit Sorgfalt pflegte und immer in der Manteltasche über seinem Herzen trug. 

An einem regnerischem Frühlingsmorgen, ich glaube es war ein Mittwoch – Wochentage waren noch neu für mich, ebenso Zahlen, diese stellten eine besondere Herausforderung dar – begaben wir uns auf den Markt. Mir war klar, dass er mich sehr liebgewonnen hatte, denn er überhäufte mich mit vielerlei Kostbarkeiten. Er wollte mich in der Gesellschaft etablieren, wie es einer Lady meines Wissenstandes seiner Meinung nach zustand. Doch er vereinnahmte mich zusehends und beobachtete jede meiner Bewegungen, was in mir Unbehagen auslöste.

Mich plagten seit mehreren Tagen schreckliche Halsschmerzen. So gingen wir an jenem Tag in einen überteuerten Spezialitätenladen, wo er mir ein neues Kraut erstand, um einen schmackhaften Tee zu brühen. Der Geschmack von Tee hatte es mir angetan und Jack machte es sich zur Aufgabe, mir jeden in London erhältlichen Tee zu kredenzen, um mich glücklich zu stimmen. 

1889   |   Jack versüßte meine Sinne 

Oftmals leistete er sich sogar Kandiszucker, um mir die bitteren Kräuter zu versüßen. Des Weiteren bot er mir häufiger ein Schälchen voller frischer Weintrauben zu den nachmittäglichen Teekränzchen an. Doch ich spürte wie Jack eine Dunkelheit umgab und bemerkte die Rufe meiner Schwestern, welche mich ersuchten, mein im Hafen vertäutes Schiff zu lösen und meine Reise in andere Gewässer fortzuführen. Doch meine Neugier, betreffend Jacks Geheimnis, ließ mich zögern.

Wohlduftend und heiß dampfend, präsentierte er mir die heiße Tasse mit etwas Gebäck. Mein offener Hals bedankte sich für die warme Flüssigkeit, während ich gierig Schluck um Schluck die Tasse leerte. Jack teilte mir mit, dass ich mir gerade eine gewisse Lack Zistrose einverleibt hatte. Die Pflanze wirkt antibakteriell und bekämpft Bakterien genauso gut wie Pilze und Viren. Als Tee kann sie gegen Entzündungen im Mund und Rachenbereich oder gegen Erkältungen eingesetzt werden. Eine weitere Eigenschaft ist, dass sie die Blutung vermindert. Dieser blutstillende Faktor hatte es ihm besonders angetan. Mit stolzer Inbrunst schilderte er mir das facettenreiche Spektrum der Wirksamkeiten der Lack Zistrose. 

Grund für die Wirkungen ist der hohe Polyphenolgehalt der Pflanze. 

 

AUTOR: Leonice Mercedes Troha

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