KAPITEL6 | Pfefferminz

  • 04.05.2022
  • ELFENGESCHICHTE

Was jetzt folgt mag so Manchen erschüttern, doch erst die Zeit sollte mir zeigen, mit welchen Menschen meine Vergangenheit durchzogen war. 

Als ich meine afrikanischen Schwestern verlies und mein Schiff wieder in das kühle Nass entschwand, war ich noch blauäugig, betreffend der künftigen Wendung meines Schicksals. 

Wenn ich mich noch recht entsinne war es in einem Sommermonat, als mich ein Unwetter unvorbereitet traf und Blitze nach meinem Segel lechzten. 

Zu dem Zeitpunkt als ich meine Augen aufschlug, fächelte mir eine junge Dame Luft zu und rief um Hilfe. Tosende Geräusche hämmerte gegen meinen geschundenen Kopf und holten mich in den Gestank meiner jetzigen Realität zurück. Ich wurde in ein sogenanntes Hospital gebracht und war umringt von vielen Männern in weißen Mänteln, welche mein buntes Gewand irritiert betrachteten und mein schnelles Genesen verwunderlich fanden. Ungewiss wo ich herkam, verfrachteten sie mich in ein sogenanntes Freudenhaus. 

Dort erfuhr ich, dass ich mich im Jahre 1888 im geschundenen London aufhielt. Gekonnt verdaute ich schnell meinen kurzen Schock, und begriff, dass ich einem Zeitsprung zum Opfer gefallen war. Dies war bereits einigen Schwestern vor mir passiert, wie mir meine Mutter immer in den Gutenachtgeschichten erzählt hatte. Jedoch hatte ich diese Erzählung immer mit einem Lächeln abgetan, und nie damit gerechnet, dass auch nur ein Körnchen Wahrheit darin stecken könnte. 

Irritiert von meiner jetzigen Situation, stahl ich mich zu später Stunde aus den Klauen dieses Etablissements und streifte durch die dunklen Gassen Londons. Doch ich sollte nicht weit kommen, denn ein paar Nebenstraßen weiter fing mich ein adretter Mann mit Zylinder ab. Er machte auf mich einen sehr charmanten Eindruck und bezirzte mich mit seinem unendlich scheinenden Spektrum an Wissen. Also begab ich mich in seine Obhut, wo er mir eine wohlriechende Tasse voll Tee kredenzte. 

Gleich beweihräucherte er mich damit, dass es eine teure Sorte war und ich ihn genießen sollte. Pfefferminz. Nach einem kurzen Plausch, stellte sich heraus, dass sein Name Jack war, und er offenbarte mir noch weit viel mehr Erkenntnisse, was den Pfefferminz betraf.

1888  |  Tee in London

Jack erklärte mir, das Pfefferminzöl zu den ätherischen Ölen zählt. Unter anderem wirkt es entspannend, antibakteriell, beruhigend, entzündungshemmend, keimtötend und schmerzlindernd. Er machte darauf aufmerksam, dass dabei das Methanol die wichtigste Rolle spielt, denn beim Auftragen auf die Haut hat es eine kühlende Wirkung. Wegen dieser Eigenschaften ist der Pfefferminz ein Heilmittel mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten bei der Behandlung von Erkrankungen oder Wunden. 

 

AUTOR: Leonice Mercedes Troha

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